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Big Brother Award – Die Oscars für Datenkraken

Vergangene Woche wurden in Bielefeld die Big Brother Awards vom FoeBuD e.V. verliehen. Spätestens seit dem aufgeflogenen Handel mit Adress- und Bankkontendaten im großen Stil sollte jeder ein wenig mehr auf seine persönlichen Daten achten. In Zeiten, in denen Facebook von sehr vielen und SchülerVZ bereits von Kindern eifrigst mit persönlichsten Inhalten gefüttert, Bonus-, Kredit- und EC-Karten von fast jedem genutzt werden – eine Weisheit die kaum noch Sinn macht – weil sich dem niemand wirklich vollständig entziehen kann. Deshalb können die Big Brother Awards nur noch auf die besondere Auswüchse und die neusten Trends aufmerksam machen.

Big Brother Award für die Apple Datensammlung via Ortungsdienste

Big Brother Award für die Apple Datensammlung via Ortungsdienste

Neben den bekannten Datensammlern wie Facebook und Apple – die dieses Jahr besonders gewürdigt wurden – hat mich die Verwendung von RFID-Chips, beispielsweise bei der Modemarke Peuterey irritiert. RFID-Chips werden z.B. in der Warenwirtschaft eingesetzt um Lagerbestände in Echtzeit darstellen zu können. Pech ist nur, dass diese Chips via Funk ausgelesen werden und an jedem Lesegerät, an dem Sie vorbeikommen, dieser Chip neu ausgelesen wird. Warum das Pech ist? Weil Peuterey den Chip in der Jacke mit einem Hinweis versieht, dieses Label mit dem RFID-Chip auf keinen Fall zu entfernen. Hält man sich daran, bleibt der Chip in der Jacke und wird beim Tragen an jedem Lesegerät registriert – und das sind nicht wenige. Wurde das Kleidungsstück mit einer EC Karte bezahlt, ist beim Abgleich der Daten ein personalisiertes Bewegungsprofil möglich. Diese RFID-Chips und deren international standardisierten Lesegeräte kommen immer mehr zum Einsatz. Zum Beispiel in Hotelzimmer-Schlüsselkarten, bei Bahn-Cards, Reisepässen, Banknoten, Tiere, Skipässen, Dauerkarten, Wegfahrsperren, Zeiterfassung, Müllentsorgung, Schlüssel – also eh egal, wenn nun auch noch in Bekleidung? Könnte man so sehen, vor allem weil so ein RFID-Chip natürlich auch in jedem Smart-Phone steckt. Wer diese Daten hat und abgleicht weiß was läuft, von jedem. Und deshalb heißen die Awards eben Big Brother Awards.
Eine Auswahl der Preisträger im einzelnen:

Weiterführende Texte auf http://www.bigbrotherawards.de/2011 – der hier folgende Text ist eine Auswahl der angegebenen Webseite im Zitat, Zitat Anfang:

Die BigBrotherAwards 2011

Technik: die Modemarke Peuterey, vertreten durch die Düsseldorfer Modeagentur Torsten Müller
Der BigBrotherAward 2011 in der Kategorie „Technik“ geht an die Modemarke Peuterey, vertreten durch den deutschen Vertreiber, die Düsseldorfer Modeagentur Torsten Müller. Peuterey erhält diese Negativ-Auszeichnung, weil sie Kleidung mit verdeckt integriertem RFID-Chip in Verkehr bringt, der berührungslos auslesbar ist, ohne dass die Kunden das bemerken. Die Applikation, die diesen „Schnüffelchip“ enthält, wurde – ohne Hinweis auf den verborgenen Chip – mit dem Satz „Don‘t remove this label“ bedruckt. Damit wird massiv in die informationelle Selbstbestimmung der Kundinnen und Kunden eingegriffen.

Verbraucherschutz: Verlag für Wissen und Innovation in Starnberg
Der BigBrotherAward 2011 in der Kategorie Verbraucherschutz geht an den Verlag für Wissen und Innovation in Starnberg für das Sammeln von Adressen als Gegenleistung für Büchergutscheine. Der „Verlag“, von dem man im Buchhandel gar keine Bücher kaufen kann, der aber Geschäftsbeziehungen zu einem Vitaminpillenhersteller und Finanzdienstleistern unterhält, lässt Schulen in seinem Namen Büchergutscheine an Kinder verteilen. Die „Geschenke“ bekommt man aber nur, wenn man Namen und Anschrift des Kindes und mindestens eines Elternteils zurück meldet. Die Jury der BigBrotherAwards hält diese Praxis für besonders kritikwürdig, weil Schulen nicht als Datenpools für die Wirtschaft missbraucht werden dürfen.

Arbeitswelt (2): Daimler AG, Stuttgart (stellvertretend)
Der BigBrotherAward 2011 in der Kategorie Arbeitswelt geht an die Daimler AG in Stuttgart für die Praxis, flächendeckend Bluttests von ihren Produktionsmitarbeitern zu fordern. Diese Form von modernem Vampirismus erfolgt ohne Rücksicht auf Persönlichkeitsrechte und meist ohne arbeitsrechtlich erforderlich zu sein. Ursprünglich hatte die Daimler AG diese Bluttests auch von ihren Verwaltungsmitarbeitern gefordert, das wurde allerdings inzwischen wieder eingestellt. Daimler erhält den Preis stellvertretend für mehrere weitere deutsche Unternehmen, die diese Bluttests fordern, weil der Autohersteller nicht die Bluttests für problematisch hält, sondern die aus dem Datenschutz folgenden Eingriffe in ärztliche Befugnisse.

Kommunikation (1): Facebook Deutschland GmbH
Der BigBrotherAward 2011 in der Kategorie „Kommunikation“ geht an die Facebook Deutschland GmbH für die gezielte Ausforschung von Menschen und ihrer persönlichen Beziehungen hinter der netten Fassade eines vorgeblichen Gratisangebots. Die gesammelten Daten speichert Facebook in den USA – Zugriff für Geheimdienste möglich, Löschen nicht vorgesehen. Per „Freundefinder“ und „Handy-App“ eignet sich Facebook Telefonnummern und Mailadressen aus den Adressbüchern der Nutzer an. Der „Gefällt-mir“-Button auf fremden Webangeboten verpetzt auch ohne Anklicken alle Besucher der Seite an Facebook. Mit Facebook wuchert eine Art zentrale „Gated Community“ im Netz, in der Menschen auf Schritt und Tritt beobachtet werden. Hier herrscht die Willkür eines Konzerns und der verdient mit systematischen Datenschutzverstößen Milliarden.

Kommunikation (2): Apple GmbH, München
Ein weiterer BigBrotherAward 2011 in der Kategorie „Kommunikation“ geht an die Apple GmbH in München für die Geiselnahme ihrer Kunden mittels teurer Hardware und die darauf folgende Erpressung, den firmeneigenen zweifelhaften Datenschutzbedingungen zuzustimmen. Wer sich für mehrere hundert Euro ein schickes neues iPhone gekauft hat, will es auch nutzen. Die Kunden haben quasi keine Wahl, den 117 iPhone-Display-Seiten mit Datenschutzbedingungen nicht zuzustimmen, denn sonst könnten sie ihr teures Gerät maximal zum Telefonieren nutzen. Insbesondere die Lokalisierungs- oder Standortdaten der Nutzer werden von App-Betreibern und Werbekunden gerne genutzt, um speziell zugeschnittene Werbung zu platzieren.

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