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Dreiecks-Beziehungen

Dreiecksbeziehungen, die Ménage à Trois, wurde schon immer gerne in Filmen thematisiert.  Ein kleiner Rückblick:

 

Die Reifeprüfung (The Graduate)
Mike Nichols, 1967. Dustin Hoffman, Anne Bancroft, Katharine Ross.

Der Klassiker. Zumindest aus der Sicht eines jungen Mannes unter 30 oder knapp darüber. Aber auch aus der Sicht einer Frau um die 40. Das Anne Bancroft gegen ihre Tochter kämpft treibt die Story auf die Spitze. Der Schluss in der Kirche unvergessen, „Elaine“! Im Stile des Amerikanischen Hollywood-Kinos kommt natürlich das Happy-End. Vielleicht bildet der Film die Grundlage für Gutmenschen mehrerer Jahrzehnte die glauben, zum Schluss wird einfach alles gut.

 

Und plötzlich die Musik von Simon & Garfunkel. Sonst nicht mehr genießbar passt sie im Film wie A auf E.

 

Der Swimmingpool (La Piscine)
Jacques Deray, 1969. Alain Delon, Romy Schneider, Maurice Ronet, Jane Birkin.

Aus der gleichen Zeit wie „The Graduate“ aber ein ganz anderes Kaliber. Das Remake von 2003 mit Charlotte Rampling nur ein müdes Lüftchen und unnötig.
„La Piscine“ von 1969 bringt das Lebensgefühl dieser Zeit auf den Punkt. Eigentlich beinhaltet „La Piscine“ zwei Dreiecksbeziehungen. Und einen Kriminalfall. Keineswegs überladen und ein absoluter Klassiker. Den sollten sie sich dringend (wieder) anschauen!

http://www.youtube.com/watch?v=lnIMsvAiKvk

Die offene Frage des Films für mich immer noch: Hat Delon mit der Gainsbourg Muse Jane Birkin im Film – oder nicht? Es bleibt für mich unklar. Hat dagegen Schneider mit Ronet? Schon eher.

http://www.youtube.com/watch?v=IeVaa7FkZps

Grandiose Musik von Michel LeGrande, Ask Yourself Why

 

Der Novembermann
Jobst Oetzmann, 2007. Götz George, Burghart Klaußner, Barbara Auer.

Ein ungewöhnlicher Film den man aus Deutschen Ateliers so erstmal nicht erwartet. Barbara Auer spielt die Frau eines Pfarrers im Ruhrgebiet, die seit Jahren im November vier Wochen Solo-Urlaub in der Toskana verbringt. Erst als der Reisebus in Bremen verunglückt merkt Burghart Klaußner, irgendetwas stimmt da nicht. Schließlich fährt er nach Sylt zum „Novembermann“ Götz George. Er nimmt bei ihm Klavierunterricht und die beiden lernen sich kennen. Sehr intensives, hartes und rührendes Schauspiel um eine Dreiecksbeziehung, in der Erinnerung an die tote Frau und Liebhaberin.

 

Vicky Cristina Barcelona
Woody Allen, 2008. Rebecca Hall, Scarlett Johansson, Javier Bardem, Penelope Cruz.

Eigentlich wollte ich den Woody Allen Film „Ich sehe den Mann deiner Träume“ (You Will Meet a Tall Dark Stranger) hier nennen. Aber, Vicky Christina Barcelona trifft den Aspekt der Dreiecksbeziehung so direkt und auf die Spitze getrieben, der Film musste hier stehen. Der Film steht für die klare und offene Dreiecksbeziehung die nun wirklich jeder erkennt und nachvollziehen kann.

Mir ist der Film schon etwas zu direkt. Dafür erzählt er mit einer solchen Schlüssigkeit und lässt keinen Zweifel an den Charakteren und Handlungen der Schauspieler aufkommen. Es gibt keine Fragen die der Film unbeantwortet lässt. Ganz anders als der letzte Film in dieser kleinen Betrachtung.

 

The Tourist
Florian Henckel von Donnersmarck, 2010. Johnny Depp, Angelina Jolie.

The Tourist ist wohl der bekannteste Film in dieser kleinen Auswahl. Und der Film mit den schlechtesten Kritiken. Was wurde und wird nicht alles über diesen Film geschrieben, und meist sehr negativ. Zu Unrecht. Der Fehler des Films ist es, dass er aus der ursprünglichen Story versucht einen Thriller mit Knall-Bumm zu machen. Das ist sichtbar im Trailer, hörbar in der Musik die für den Trailer genutzt wurde:

Was sollte dann die ursprüngliche Story sein? Nun, er steht hier unter Dreiecksbeziehungen. Die Filmmusik von James Newton Howard ist noch ein Überbleibsel aus der ursprünglichen Story. Und im aufgesetzten letzten Musik-Titel im Film, Starlight von Muse, wird das ganze Dilemma hörbar.

Geben Sie dem Film noch eine Chance und schauen Sie das nächste Mal auf das Zusammenspiel von Jolie und Depp. Gehen Sie von der Story aus die der Film erzählt, nicht von Ihrem Wissen um das Ende. Lassen Sie deshalb einmal die Kritiken unbeachtet, die Jolie ein abweisendes, unterkühltes Zusammenspiel mit Depp vorwerfen. Sehen Sie in Elise die Frau die sich verliebt und plötzlich in einer Dreiecksbeziehung steckt. Ist der Typ im Zug der für den Sie ihn nicht hält, oder doch? Findet sie den Typ etwa attraktiv, humorvoll und nett. Kann es der sein auf den sie wartet, will sie den überhaupt noch und wie oft schwankt sie zwischen beiden hin und her? Weshalb ist er mit ihr im Hotel und wer spielt mit wem? Warum rettet sie ihn, nur um das Spiel aufrecht zu halten oder ist sie in ihn verliebt? The Tourist ist großer, eleganter Film im Stile der 50er und 60er Jahre. Im Stile einer Grace Kelly und Cary Grant über den Dächer von Nizza. Vergleichen Sie ihn mit solchen Klassikern. Er wird diese nicht ganz erreichen denn dazu ist der Action-Anteil viel zu groß und vor allem: aufgesetzt. Schade um die ursprüngliche Story. Schade um das Schauspiel zwischen Jolie und Depp das mit Klamauk zugebaut wurde. Wie stark und vor allem billig ist dann sehr gut im letzten Musiktitel zu hören.

Die definitive Filmvorlage für einen Director’s Cut. Von Donnersmarck sollte sich mit dem Thema eindringlich beschäftigen, zu seiner eigenen Reputation und der seiner beiden Schauspieler. So ein Cut könnte gut 30 Minuten länger sein, mindestens. Und dabei viel mehr Jolie und Depp spielen lassen. Aber so ein Director’s Cut macht nur Sinn ohne „gutgemeinte“ Knall-Bonbons von irgendwelchen Studio Theoretikern.

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