Musik

Gainsbourg

Ein Film den man nicht gesehen haben muss, aber gesehen haben sollte.

Gainsbourg

Gainsbourg

Ich kannte ihn bisher nicht wirklich, Lucien „Serge“ Gainsbourg, Stilikone des Chanson, der Skandale und Frankreichs sowieso. Irgendwann Anfang der 70er Jahre hatte er einen Hit, diesen Skandal Schmachtfetzen „Je t’aime“. Ansonsten war mir der Mann gänzlich unbekannt, wohl auch weil Chansons nicht zu meinem allerersten Musik Genre zählen. Der Film Gainsbourg bietet nun einen bizarren Einblick in das vergangene Leben eines Genies. Cineastisch kann der Film auf hohem Niveau überraschen. Regisseurs Joann Sfar wie Produzent Marc Du Pontavice waren bisher eher für TV-Serien in Erscheinung getreten. Das muss nichts schlechtes sein, der Film reiht sich angenehm ein in die Reihe skurriler Französischer Filme. Immer ein wenig bizarr, provokant und gekonnt auf der Schwelle zur Lächerlichkeit balancierend steht er in der langen Tradition des künstlerisch etwas überdrehten, anspruchsvollen Französischen Films.

Damit passt er hervorragend zum Leben des Künstlers und könnte, wenn er wollte, sich sogar mit dessen Lebensweg rechtfertigen. Anfangs interessant und tiefgründig, zeigt er die Jugend des hochbegabten jüdischen Gainsbourg in den 2. Weltkriegswirren des besetzten Paris. Gainsbourg sieht sich als Maler, Zeichner, vorzugsweise deshalb, weil man nackte Frauen zeichnen kann – doch sein Vater und sein zweites Ich drängen ihn zum Klavier, das er hasst.

Mit dem Klavier kommen die Frauen und damit Gainsbourg wie der Film auf den Punkt. „Gainsbourg, der Mann der die Frauen liebte“ tat dies bei einer Frau ganz besonders: Brigitte Bardot. Ich habe nicht ganz verstanden wie viele Ehen er bis dahin hatte, wie viele Kinder daraus hervorgingen, der Film wird erst mir der Bardot eindeutig. Diese war von 1966 – 1969 mit Gunter Sachs verheiratet. Glaubt man dem Film, hatte sie während dieser Zeit eine überaus heftige Affaire mit Gainsbourg (Eric Elmosnino). Für Bardot schrieb Gainsbourg „Je t’aime“ – und als, wie im Film beschrieben, ihr Mann vor der Veröffentlichung des Titels 1967 austickte war die Affaire Gainsbourg – Bardot beendet. Gainsbourg veröffentlichte 1969 den Titel im Duett mit seiner späteren Frau Jane Birkin (gespielt von der 2009 im Alter von 28 Jahren verstorbenen Lucy Gordon). Diese Veröffentlichung wurde zum bekannten Welterfolg. Erst 1986 wurde die ursprünglichen Aufnahme von 1967 mit Brigitte Bardot veröffentlicht.

Der Höhepunkt des Films ist, und damit war sie dies wohl auch im Lebens von Gainsbourg, Brigitte Bardot (Laetitia Casta). Ging es vorher für Serge immer bergauf, beginnt nach der Bardot sein innerliche Niedergang von dem er sich nicht mehr erholen konnte. Zwar widmete er sich später völlig anderer und durchaus hörenswerter Musik, wie einigen schrägen, musikalischen Experimenten und weiteren Frauen. Der Film durchläuft die Zeit nach der Bardot jedoch immer schneller, wird mehr und mehr unkonkret und verläuft sich schließlich im Nichts. Das Medieninteresse an ihm war nach der Bardot nie mehr so hoch wie mit ihr. Ob ihn das zerbrach?


Brigitte Bardot et Serge Gainsbourg – Je t’aime …moi non plus – Aufnahme 1967


Jane Birkin et Serge Gainsbourg – Je t’aime …moi non plus – Veröffentlichung 1969

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